Knobloch, Heinz: Herztöne und Zimmermannssplitter, Halle 1962

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Autor:

Heinz Knobloch

Hrsg./ Auswahl:

-

Titel / Untertitel:

Herztöne und Zimmermannssplitter
-Feuilletons-
Mit einem Nachwort von Reiner Kunze

Verlag:

Mitteldeutscher Verlag

Ort:

Halle

Jahr:

1962

Umfang:

160 S.

Inhaltsverzeichnis:

INHALT
Wie man es sieht        7
Ein Wissenschaftler     11
Am Morgen       14
Herztöne        17
Die Kästchen    20
Reisende        23
Dresdener Abend 26
Männer  29
Zimmermannssplitter (in 12 Kapiteln)    33
Vor der Prüfung 52
Teilchen zum Glück      54
Die einsame Insel       57
Spiel und Spiegel       60
Alte Fotografen 62
Plastik im Park 65
Das, was zählt  68
Der Überbau     71
Urteile                74
Fern und nah    77
Das dritte Brandenburgische Konzert     81
Gewohnheiten    84

Rostflecke      94
Notwendige Änderungen      96
Aktiv und Passiv        98
Der erste Tag   101
Öffentliche Privatangelegenheit 104
Unheimliche Geschichte  106
Ostseewoche     109
Hatschepsut     112
Der Bäcker Bock 115
Was und wie     117
Doppelte Buchführung    120
Anschauungsunterricht   123
Der Weckruf     126
Der zweite Blick     129
Das Gedicht     133
Versäumnis      137
Unsere Maßstäbe 139
Wer fragt wen?  141
Mit besonderer Bezugnahme       144
Feuilletonisten 147
Nachwort        150

Editorisches:

Copyright by Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 1962
Lizenznummer 444-300/4/62
Gesetzt aus der Korpus Weiß-Antiqua
Die Gesamtherstellung übernahm die Betriebsberufsschule Heinz Kapelle, Pößneck V 15/34
Umschlag, Einband und Illustrationen von Wolfgang Würfel
Die Typografie besorgte Rudi Schossig

Weitere Auflagen:

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Hinweise:

Erster Feuilletonband von H.K.; parallel erschien 1962 das theor. Werk: "Vom Wesen des Feuilletons"

Motto:

Jeder von uns muß angestoßen werden, damit der oder jener Groschen fällt. In jedem von uns steckt ein Groschen, der nur dann zu Fall zu bringen ist, wenn wir angestoßen werden. Also stoßen wir einander an, manchmal grob, manchmal behutsam, wie es gerade notwendig ist, um den Fall des Groschens auszulösen.                   JOHANNES R. BECHER

Vorwort/
Einleitung:

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Nachwort/
Nachbemerkungen:

NACHWORT  (Reiner Kunze) (S. 150-158) (Auszüge)
(Beginn S. 150): Am Morgen, als ich meine erste Vorlesung das Feuilleton halten sollte, stellte sich mir ein junger Mann mit dem mißzuverstehenden Namen Knobloch vor. Er sagte, er komme von Berlin nach Leipzig, um ,,endlich etwas über das Feuilleton zu hören“. Die Chefredaktion seiner Zeitung, der WOCHENPOST, habe beschlossen, ihre Leser mit diesem ,,Genre“ zu beglücken, und er, der verantwortliche Redakteur für den Unterhaltungsteil, sei für die Verwirklichung dieses Beschlusses haftbar gemacht worden. Nur gingen in der Redaktion Meinungen darüber, was man unter einem (S. 151) Feuilleton zu verstehen habe, diametral auseinander. Und mit der Bitte, den Stab der Wissenschaft darüber zu brechen, drückte er mir ein Manuskript in die Hand, das, weil es weder eine Kurzgeschichte noch ein Kommentar, noch eine Glosse sei, ein Feuilleton sein müsse.
Ich sagte ihm, die Leitung meiner Fakultät habe beschlossen, das Feuilleton als Gegenstand in den Lehrplan aufzunehmen, und ich hätte den Lehrauftrag erhalten. Nur gingen auch an der Fakultät die Meinungen darüber, was man unter einem Feuilleton zu verstehen habe, diametral auseinander, weil keinerlei den Gegenstand betreffendes Forschungsmaterial der marxistischen Zeitungswissenschaft zugänglich wäre. Und mit der Bitte, den Stab der Praxis darüber zu brechen, verwies ich auf meine ersten sehr unvollkommenen Forschungsergebnisse in der Vorlesung.
So wurden wir Freunde, im Frühjahr 1957.
Heute, vier Jahre später, darf ich das Nachwort zu einem ersten Band Feuilletons von Heinz Knobloch schreiben und kann auf seine zweihundert Seiten umfassende theoretische Abhandlung ,,Vom Wesen des Feuilletons“ hinweisen, die demnächst im Verlag für Sprache und Literatur in Halle (Saale) erscheinen wird. Heute steht Heinz Knobloch neben Lothar Kusche an der Spitze derer, die unserem jungen, aufstrebenden Feuilleton eine Bresche geschlagen haben.
(S. 152) Während Lothar Kusche zum satirischen Florett griff und wacker drauflosficht - Heinrich Heine als Rückendeckung, Börne und Tucholsky, Weerth und Slang als anrufbare Zeugen hinter sich, neben sich Walther Victor, den wachsamen Senior dieser Feuilletongattung der geistreichen literarischen Polemik, des aphoristischen, stilistisch pointierten Artikels, in dem Ironie und Sarkasmus in allen Nuancen aufblitzen -, bricht Heinz Knobloch jenem Feuilleton die Bahn, das Baudelaire zu seinen Ahnen zählt, Turgenjew, Polgar, Auburtin, das in Weinert, Fürnberg, Nell und Lorbeer seine proletarischen Meister fand. Knobloch rehabilitiert das von der imperialistischen Presse in Mißkredit gebrachte Genre Feuilleton, das sich als die literarische Fassung für eine bestimmte Art kleiner Begebenheiten herausgebildet hat, für die ,,Schnittpunkte“ in unserem Leben, die keine nach Handlung drängenden Konfliktsituationen darstellen, so daß sie Stoffe für Kurzgeschichten mit einer Fabel und einer überraschenden Wendung des Geschehens abgeben könnten, sondern deren poetische Substanz dadurch wirksam wird, daß der Autor diese Schnittpunkte dichterisch gestaltet und originell, aus seiner individuellen Sicht heraus kommentiert. Der kurze direkte oder indirekte Kommentar, der die Begebenheiten gedanklich pointiert, rückt sie in eine Perspektive, die Wesentliches sichtbar, fühlbar werden läßt.
(S. 153) Knobloch hat sich diese Art Feuilleton nicht ausgesucht, denn er kannte das Genre noch gar nicht, als er es bereits gefunden hatte: In dem Manuskript, mit dem er damals, am Morgen vor der Vorlesung, antrat, waren alle Merkmale des Genres vorhanden. Sein Blick für jene Art Begebenheiten, deren stoffliche Struktur eben das Feuilleton als literarische Fassung verlangt, hatte ihn zu dieser Gestaltungsform geführt.
Von dem Augenblick an, als er mit der Theorie in Berührung kam, begann er jedoch, nach den Meistern zu suchen. Als sich dabei herausstellte, daß die Exponenten dieses Feuilletons in überwiegendem Maße bürgerliche (vor allem linksbürgerliche) Schriftsteller waren, hielt er es mit dem Wort Maxim Gorkis, das dieser, das Studium der bürgerlichen Meister betreffend, an einen jungen Dichter schrieb: ,,Achten Sie darauf, wie diese Leute ihren Stoff anordnen, wie sie einen Satz bauen, wie sie beobachten. Die Ideen dieser Meister sind für Sie nicht so wichtig und auch als Ideen nicht notwendig für Sie; aber ihre Meisterschaft ist noch unübertroffen, und die müssen Sie sich ja aneignen. Mit einem Wort: Lernen Sie die Technik, ohne der Ideologie zu unterliegen, die Ideologie müssen Sie sich selbst schaffen, aus dem Material Ihrer Erfahrung, aus Ihrem: ,Das ist so, und jenes ist nicht so; das will ich, jenes will ich nicht.‘ " Heinz Knobloch vertiefte sich besonders in die Feuilletonkunst Vic- (S.154) tor Auburtins, und mit den eigenen, nach und nach immer besser gebauten Feuilletons eines Meisterschülers, die jedoch unserem Weltbild galten, trug er dazu bei, den sektiererischen Auffassungen das Wasser abzugraben, die das Genre Feuilleton, zu dem er, der marxistische Journalist, durch seine Praxis in der sozialistischen Presse hingefunden hatte, als ,,bürgerlich“ verurteilen wollten.
Er arbeitete mit Bienenfleiß. Jede theoretische Anmerkung, jede Zeitungsecke, auf der sich schüchtern ein Feuilleton angesiedelt hatte, jede feuilletonistische Scherbe, die er verdächtigte, für die Forschung unentbehrlich zu sein, sammelte er. Die Eilbriefe zischten von Berlin aus in die Lande - denn Heinz Knobloch ist kein Eigenbrötler - und verkündeten den Freunden die ,,Entdeckungen“ ...

S. 155: ...Heinz Knobloch lud zu Vorträgen in die Redaktion ein und sprach, sooft er darum gebeten wurde, in Berlin, in Kühlungsborn oder Oberhof vor Schriftstellern, vor jungen Autoren und schreibenden Arbeitern über das Feuilleton. Als Mitherausgeber und Mitautor stellte er eine Anthologie von vierzig Feuilletons zusammen, Arbeiten von siebzehn meist jungen, noch unbekannten Verfassern, die im Herbst 1960 im Mitteldeutschen Verlag erschien. Sie heißt ,,Mir gegenüber“.
Nun also tritt der Feuilletonist Heinz Knobloch zum ersten Mal allein in zwei Büchern an die Öffentlichkeit, einerseits auf theoretischer Ebene (=>s. Vom Wesen des Feuilletons 1962) , zum anderen als feuilletonistischer Schriftsteller‘ als ,,poetischer“ Journalist. Bei allem, was die Bücher als einen Anfang ausweisen mag - beide sind in einer Hinsicht Werke par excellence: in der in ihnen (S. 156) wirksam werdenden schöpferischen marxistischen Einstellung zum Feuilletonerbe.
...
S. 157: ...Da Heinz Knobloch so, wie er arbeitet, auch ißt - mit höchster Konzentration, mit einem feinen Schmunzeln für gelungene Details, alles unter dem Aspekt einer gewissen Selbstbetrachtung, manchmal mit sanfter Selbstironie, nie aber hastig oder (S. 158) streitsuchend —, hegen seine Freunde (es werden ihrer bald sehr viele sein) die berechtigte Hoffnung, daß er alt werden und der Mitteldeutsche Verlag noch manches Nachwort für Knoblochsche Feuilletonbände zu vergeben haben wird. Sollte Wasser eindringen ins Feuilleton, möge sich Heinz Knobloch nur an seine Leser halten: Sie wissen ja, wie man ein ,,Polizeiauge“ auswechselt, die neue Schraubenmutter aufzieht, mit Mennige übergießt und ,,das Loch wieder mit einem Holzpflock“ verschließt.
Ustí n. L., August 1961 REINER KUNZE

Klappentext:

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Weiteres:

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