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Herzlich willkommen auf den Seiten für Heinz Knobloch!

Sie sind dem Schriftsteller gewidmet, dessen Hauptwerk aus mehr als 1600 Feuilletons besteht, die er in über 40 Jahren zunächst für Zeitschriften verfasst hat. Durch seine Rubrik “Mit beiden Augen” – 20 Jahre lang in der WOCHENPOST – hat er dem Feuilleton zu neuer Blüte verholfen und es dabei sehr gut verstanden, unter den damaligen Bedingungen in der DDR die Leser “zwischen den Zeilen” lesen zu lassen. Sein Schaffen konnte er auch nach dem Mauerfall erfolgreich fortsetzen, da er ein Autor ohne Scheuklappen geblieben ist.

Heinz Knobloch (1926-2003)

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Heinz Knobloch vor allem durch sein Buch über Moses Mendelssohn bekannt, mit dem er – ebenfalls in feuilletonistischer Darstellung – diese wichtige Berliner Persönlichkeit der Aufklärung in Erinnerung gerufen hat.
Auch seine weiteren Darstellungen zu Einzelpersonen, zur Stadt-, Orts- oder zur politischen Geschichte in seinen Büchern und Einzelfeuilletons (Näheres s. Einführung) sind stets sehr gut recherchiert und bieten Lesern und Freunden des Selberentdeckens wertvolle Anreize für Spaziergänge an die von ihm beschriebenen Orte oder für aufschlussreiche (Wieder-)Entdeckungen aus Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Seine vielfältigen Reflektionen des Alltagslebens sind gut zu lesen, meist humorvoll aber auch hintersinnig geschrieben. Sie regen zum Nachdenken an, weil er es verstanden hat, seinen Spielraum als Journalist und Schriftsteller optimal zu nutzen.

Wesentliches Ziel dieser Seiten ist es, das umfangreiche Werk des Berliner Schriftstellers Heinz Knobloch weiter bekannt zu machen und seine (Wieder-) Lektüre zu fördern. Den Kern dieser Webseite bildet die Werksammlung, in der sowohl die Titel der von ihm selbst veröffentlichen Bücher wie auch die Sammlungen seiner Feuilletons zusammengestellt sind. Ebenso finden sich dort seine sonstigen Werke, (Mit-)Herausgeberschaften und Beteiligungen an Buchveröffentlichungen, sowie Bücher und größere Beiträge, die sich mit dem Werk Knoblochs beschäftigen.
Die Sammlung kann selbstverständlich nicht als abgeschlossen gelten. Insofern sind Ergänzungen, Anregungen und Hinweise – auch auf Fehler oder Irrtümer – willkommen. (Zur Frage der Erfassung der Einzelfeuilletons aus Zeitungen und Zeitschriften finden Sie einen Hinweis am Ende dieser Seite.)

Auf der linken Seite finden Sie mithilfe der Schaltflächen weitere Informationen zum Autor, seiner Biografie, dem Nachlass und Wirkungen seines Werkes. Neuausgaben und interessante Meldungen in Zusammenhang mit Leben und Werk finden sich in der Rubrik Nachrichten.

Das folgende Feuilleton aus dem Jahr 1992 kann als Beispiel dafür dienen, auf welche Weise dieser Autor immer wieder aktuelle Anknüpfungspunkte für seine kurze Prosa gefunden hat. Ein Beispiel aus den 1970er Jahren findet sich am Ende des Kapitels Einführung.


Gemeinsames Idyll

von Heinz Knobloch

Wie oft muss unsereins als Großstädter auf dem Weg in den Garten an einem Schild vorbei, das da lautet: »Täglich frische Landeier«? Schließlich zwingt es zum Anhalten. Ein Bretterzaun vor einem Stück Feld mit Wald. Das Tor weit geöffnet. In Sicht landwirtschaftliche Gebäude, größere Schuppen; eine Werkstatt dabei. Aber kein Mensch.

Langsam nähern. Stehenbleiben vorm nächsten Eingang. Der weit offen steht. Aber da erscheint in behutsamem Trab, der auf innerer Stärke beruht, ein stummer, dennoch deutscher Schäferhund. Beschnüffelt des Wehrlosen Schuh, Hose und den Behälter für ein Dutzend Eier. Man trägt ja so etwas immer bei sich.

»Guten Tag, Hund«, sage ich. Bewährte Anrede. »Ich will bloß Eier kaufen«, und zeige ihm die innere Harmlosigkeit des eiweißen Behältnisses. Weiß ich, bei wem er vormals beschäftigt war? Er macht kehrt und bellt laut. Behutsamen Schrittes folgt ihm der Großstädter. Es erscheint ein junger Mann. Schwarzer Hut mit breiter Krempe. Seine Nickelbrille macht ihn zum milden Gitarristen einer leisen Band. Falls es so eine gibt.

Nun gehen wir drei in einen kleinen Schuppen, wo eine ungeheure Menge ungezählter Eier liegt. Preiswert sind sie. Und innen – wie sich später herausstellt – richtig dottergelb. Das kann nur an der befreiten Erde liegen und an den unabhängigen Hühnern, die seit neulich, in Freiheit aufgewachsen, sich ihr Futter selber wählen dürfen im Schatten dieser nicht einmal überprüften Lindenbäume im Berliner Norden …

Daher erscheine ich dort immer öfter. Wagte neulich, als Kunde, die Frage: »Kann man bei Ihnen auch ein richtiges Suppenhuhn kaufen?« »Suppenhuhn« ist nämlich nicht bloß ein Schimpfwort, sondern etwas für Reis und ergibt gute Brühe. Aber man bekommt es nirgends in ursprünglich ländlicher Qualität. So super ist kein tiefgefrorener, kalter Markt. Er antwortete: »Gern, wenn Sie es selber totmachen.« Aber ich kann doch kein Huhn totmachen! Er: »Wir können es auch nicht!«

Und das tröstet ein wenig bei wachsender Gewalt in diesem neuen Deutschland.

Quelle: Heinz Knobloch: Die schönen Umwege, :transit-verlag Berlin 1993, S. 138
Hinweis: Eine erste Version dieses Feuilletons erschien unter dem Titel „Im Zusammengewächshaus“ in: Die Weltbühne Nr. 40/1992, S. 1239

© mit freundlicher Genehmigung der Rechtsinhaber

Zur Frage der Erfassung der Einzelfeuilletons von Heinz Knobloch

Das auf dieser Website veröffentlichte Werkverzeichnis kann das Schaffen des Feuilletonisten Heinz Knobloch nur verkürzt wiedergeben, denn das Hauptmedium seiner Veröffentlichungen waren Zeitschriften, in denen seine Feuilletons und anderen Beiträge jeweils aktuell erschienen – angefangen mit der WOCHENPOST mit weit über 1000 Feuilletons – und in vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften, in denen er noch bis Anfang der 2000er Jahre weiterschrieb. Dazu existiert bereits eine Sammlung, die ca. 2000 Einzelbeiträge enthält.
Für eine Veröffentlichung eignet sich meiner Meinung nach am ehesten ein Datenbankformat, das eine systematische Erfassung dieser Vielfalt ermöglicht, denn Knobloch ließ es sich auch nicht nehmen, seine Texte zu aktualisieren oder zu ergänzen, wenn eine Wiederveröffentlichung in einer anderen Zeitschrift oder einem Sammelband zustande kam. Da sein Werk auch die politische und gesellschaftliche Weiterentwicklung in Deutschland widerspiegelt, ist insbesondere die chronologische Einordnung seiner Feuilletons und ihrer Querverbindungen nur in einem solchen Format adäquat abbildbar. Anregungen und Angebote dazu sind ebenfalls willkommen.