Wirkung & Nachlass

Heinz Knobloch im Stadtbild von Berlin

Im Folgenden finden Sie Beispiele erfolgreicher Erinnerungsarbeit von Heinz Knobloch. Im Jahr 2000 erwähnte er in einem Interview sechs Gedenktafeln, die in Berlin auf seine Initiative zurückgehen würden. Sie sind auch heute noch – mehr als 20 Jahre später – im Stadtbild zu finden. Sehr treffend heißt es dazu im Klappentext zur 5. Auflage seines Buches “Herrr Moses in Berlin”:
“Schreibend setzte er Gedenktafeln —und erreichte, daß sie tatsächlich geschaffen wurden.”
Auf den Zusammenhang mit seinen Feuilletons und Büchern wird im Folgenden verwiesen.

1. Mahntafel zur Bücherverbrennung - am Bebelplatz in Berlin-Mitte

Text: Peter Edel, deutsch-jüdischer Schriftsteller (1921-1983)

Die Tafel ist rechts vom Eingang der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität am Bebelplatz 2 befestigt und erinnert an das nationalsozialistisch gesteuerte öffentliche Verbrennen von Büchern am 10. Mai 1933 auf diesem Platz, der damals Opernplatz hieß. An der Aktion waren in großer Zahl Studierende wie auch Hochschullehrer der Berliner Universität beteiligt, organisiert vom Deutschen Studentenverband (DSt).
Am 10. Mai 1947 wurde an diesem Platz “Der Tag des freien Buches” mit gesamtdeutscher Beteiligung aus den verschiedenen Besatzungszonen offiziell ausgerufen und danach von der DDR dort jährlich bis 1990 feierlich begangen.
Eine Mahntafel mit direkten Bezug zur Bücherverbrennung wurde erst Anfang der 80er Jahre am Alten Palais rechts neben der heutigen Juristischen Fakultät angebracht. Dies geht auf die Initiative von Heinz Knobloch zurück.

Zur Geschichte der Mahntafel

"Parkplatz der Gedankenlosigkeit"

Heinz Knobloch hatte bereits 1976 bei einer Ehrenveranstaltung für Bibliothekare ganz in der Nähe auf das Fehlen einer “mahnenden Gedenktafel” hingewiesen. 1979 schrieb er dann in seinem bekannten Buch “=>Herr Moses in Berlin – Ein Menschenfreund in Berlin” dazu Folgendes: “Wenn (von der Bücherverbrennung) wenigstens eine Tafel sprechen würde auf diesem Parkplatz der Gedankenlosigkeit…” (1. Aufl. 1979, Buchverlag Der Morgen Berlin, S. 418). Indirekt drohte er sogar mit der Ausschreibung einer Subskription für eine solche Tafel an diesem Platz. Anlässlich einer Lesung zum Erscheinen des Buches im damaligen Palast der Republik am Schloßplatz wurden von ihm offizielle Stellen auf diesen Mangel aufmerksam gemacht, worüber er erst viele Jahre später seine Leser aufklärte.
Tatsächlich ist “die (…) angeregte Tafel Anfang September 1980 auf dem Bebelplatz angebracht worden” wie Knobloch schon in der Nachbemerkung zur 3. Auflage seines Buches meldete (S. 447). Das wurde auch im Neuen Deutschland (ND) am 11.9.1980 berichtet. (Der 2. Sonntag im September wurde als „Tag der Opfer des Faschismus“ begangen.)
Der Bebelplatz wurde auch regelmäßig für einen Büchermarkt in Anwesenheit von DDR-Schriftstellern genutzt. Zum 50. Jahrestag der Bücherverbrennung 1983 fanden an mehreren Tagen Veranstaltungen und Lesungen statt. 1987 schließlich gab es vor der Kulisse der Juristischen Fakultät eine Internationaler Schriftsteller-Lesung „mit Autoren aus 23 Ländern“, worüber ganzseitig berichtet wurde. Die o.g. Gedenktafel ist im ND vom 9./10.5.87, S. 3 mit abgebildet.
In den letzten Jahren der DDR wurde der Bildhauer Siegfried Krepp mit den Entwurf zur Errichtung einer Skulptur auf dem Bebelplatz beauftragt, um die mahnende Erinnerung an die Bücherverbrennung optisch wirksamer zur Geltung zu bringen, wie es offiziell hieß. Der Magistrat von Berlin fasste dazu im Mai 1989 den formalen Beschluss zur Schaffung des Mahnmals. Darin war die Enthüllung planmäßig für das IV. Quartal 1990 vorgesehen. Dazu kam es vor der Vereinigung Deutschlands nicht mehr.

Neue Form des Gedenkens an die Bücherverbrennung

"Versunkene Bibliothek" von Micha Ullmann mit Blick zur Mahntafel

Anfang der 90er Jahre wurde die ursprüngliche Mahntafel am Bebelplatz zeitweise abgehängt, da sie gemäß einer Erklärung des damaligen Bausenators von Berlin “dem Anlaß nicht mehr gerecht“ würde. Zum 60. Jahrestag der Bücherverbrennung 1993 wurden die Unterlagen zum Wettbewerb für ein neues Mahnmal ausgegeben. 1994/95 wurde der auswählte Entwurf des israelischen Bildhauers Micha Ullmann in der Mitte des Platzes, die „Versunkene Bibliothek“ dann ausgeführt. Unter einer Glasplatte sind in der Tiefe leere Regale zu erkennen, die die ca. 20000 Bücher aufnehmen könnten, die auf diesem Platz verbrannt wurden. Am 20.3.1995 wurde das Denkmal offiziell von den zuständigen Senatoren für Bau und Kultur der Öffentlichkeit übergeben. In das Pflaster des Platzes sind in einigem Abstand drei gleichlautende Tafeln eingelassen, die kurze Angaben zum Anlass und zur Schaffung des Denkmals machen sowie das bekannte Zitat Heines wiedergegeben: “Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.” Bei der mit der Übergabe des Denkmals verbundenen Ausstellung im Foyer der Juristischen Fakultät hielt Heinz Knobloch eine Rede (veröffentlicht im ND vom 10.5.1995 und in => Mißtraut den Grünanlagen 1996, S.130-132). Die Tafel am Alten Palais wurde mit dem Datum 12. Mai 1983 ergänzt, vermutlich, um damit ihre Herkunft aus der DDR-Zeit deutlicher zu dokumentieren. Wie hatte sich Heinz Knobloch zum Sinn der Mahntafel geäußert: »Sie muß aber so beschaffen sein, daß keine Kränze niedergelegt, sondern Gedanken davon getragen werden können.« Und zum heute noch auf der Tafel befindlichen Text hielt er fest: “Ihr Text stammt von dem verstorbenen Peter Edel, einem Schriftsteller jüdischer Herkunft. Er überlebte Auschwitz. Wer, wenn nicht er, hatte das Recht, uns zu mahnen…” (a.a.O. S. 132). 2006/07 wanderte die Mahntafel im Zuge der Wiedererrichtung einer Pergola am Alten Palais hinüber zum Haupteingang der Juristischen Fakultät am Bebelplatz 2. (Ursprünglich war dies die Königliche Bibliothek, wegen ihrer barocken Form auch heute noch “Kommode” genannt.)
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Hinweise für Besucher:

Die unterirdische “Bibliothek” von Micha Ullmann in der Mitte des Bebelplatzes ist nach Einbruch der Dunkelheit von innen beleuchtet, so dass die leeren Regale für die imaginäre Sammlung der ca. 20 000 verbrannten Bücher sichtbar werden. Bei Tageslicht ist die “Bibliothek” jedoch nur schwer erkennbar. Neben den üblichen Lichtreflexen ist die ebenerdige Glasplatte aufgrund ihrer Betretbarkeit schnell verschmutzt und wird milchig, weswegen sie regelmäßig ersetzt wird. Die Durchsichtigkeit kann man vorübergehend erhöhen, indem man klares Wasser auf die Glasplatte gießt, was bei Stadtführungen öfter praktiziert wird.

Durch das Glasfenster rechts neben der Gedenktafel an der Juristischen Fakultät ist ein kleiner Raum zu erkennen, in dem sich ein Regal mit Büchern der verbotenen Autoren befindet, deren Bücher 1933 verbrannt wurden. Der Raum ist vom Foyer des Gebäudes aus montags bis freitags öffentlich zugänglich und wird an seiner Eingangstür als “Ein Ort zum Lesen” bezeichnet.
(Stand: August 2022)
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Zum Jahrestag der Bücherverbrennung fanden und finden auch heute noch auf dem Bebelplatz Lesungen und andere Aktionen, getragen von unterschiedlichen Initiativen, statt. Heinz Knobloch war nachweislich noch bis 1995 beteiligt. Hervorzuheben ist, dass die zwischenzeitliche Nutzung des Platzes durch kommerzielle Veranstaltungen, für Großwerbung und Vergnügungen inzwischen kaum mehr genehmigt wird.


2. Gedenktafel für Moses Mendelssohn - den jüdischen Aufklärer in Berlin

Gedenktafel für Moses Mendelssohn an der ehem. jüdischen Knabenschule (von 1983)

Die Tafel befindet sich an der Außenwand des Jüdische Gymnasiums – früher “Jüdische Knabenschule” – in Berlin-Mitte, Große Hamburger Str. 27. Sie ist allerdings wegen des blickdichten Metallzauns zum Schutz der Schule für Passanten nur schwer einsehbar.
Die Tafel wurde durch Heinz Knobloch in seinem Buch “Herr Moses in Berlin” 1979 angeregt (Erstauflage 1979, Buchverlag Der Morgen Berlin, S. 331ff.). Eine Gelegenheit zu ihrer Realisierung fand sich aus Anlass des 250. Geburtstages von Friedrich Nicolai: “Am 18. März 1983 … wurde am Schulgebäude in der Großen Hamburger Straße 27 eine Gedenktafel für Moses Mendelssohn eingeweiht. Ein Porträtrelief von Prof. Gerhard Thieme und eine Tafel von Götz Dorl mit der am Anfang dieses Buches abgedruckten Maxime des Menschenfreundes Moses Mendelssohn.” (“Herr Moses in Berlin” 4. Aufl. Buchverlag Der Morgen Berlin, S. 485.) Die Tafel ist auf S. 368 des Buches abgebildet. Die Maxime lautet:
Nach Wahrheit forschen,
Schönheit lieben,
Gutes wollen,
das Beste tun.
Es wäre gut, wenn die Sichtbarkeit der beiden Tafeln für die Öffentlichkeit wieder hergestellt würde, gerade in dieser Straße, die auch den Beinamen “Toleranzstraße” trägt. Darauf verwies Knobloch z.B. in seinem Beitrag zur 750 Jahr-Feier der Stadt 1987 (NBI-Sonderausgabe, S. 80-82). Damit könnte an diese Phase der Berliner Aufklärung angeschlossen und an das friedliche Nebeneinander verschiedener Kulturen und religiöser Bekenntnisse erinnert werden, für das sich in dieser Straße auch heute gute Beispiele finden lassen.


3. Gedenktafel zur Verhinderung des Brandes der "Neuen Synagoge" in Berlin

Die Tafel und ihr Standort neben der Neuen Synagoge Oranienburger Str.

Die Neue Synagoge Oranienburger Str. wurde ebenso wie viele andere in der Pogromnacht 1938 von organisierten Nazi-Anhängern angegriffen. In diesem Fall gelang es jedoch durch das beherzte Vorgehen des zuständigen Polizeireviers 16 unter Wilhelm Krützfeld, das von SA-Leuten bereits gelegte Feuer durch die Feuerwehr zu löschen und das unter Denkmalschutz stehende vor weiterer Zerstörung zu schützen.
Heinz Knobloch hat diese “ungewöhnliche Zivilcourage” von Berliner Polizisten während der Nazi-Herrschaft in seinem Buch “Der beherzte Reviervorsteher” (Buchverlag Der Morgen 1989/90), ausführlich dargestellt. Das wurde in den Medien und der interessierten Öffentlichkeit breit aufgenommen. An dieses besondere Ereignis wird bis in die Gegenwart immer wieder erinnert.
Knoblochs Buch wurde mehrfach neu auflegt, auch als Taschenbuch im Fischer Verlag (1996), zuletzt erschien es im Jaron Verlag (2003). Regine Scheer fand später ergänzend heraus, dass eher der Polizist Otto Bellgardt als direkter Retter der Synagoge angesehen werden kann. Dessen Handeln geschah aber im Einvernehmen mit seinem Revierleiter Wilhelm Krützfeld, der dafür anschließend einen Verweis seines Vorgesetzten erhielt. Er setzte aber seine verdeckte Unterstützung der jüdischen Mitbewohner weiter fort, bis er von der Dienststelle abgezogen wurde.
Bis zur Anbringung der Gedenktafel für das beispielhafte Verhalten mussten allerdings eine Reihe von Jahren vergehen und Hürden genommen werden, denn sowohl deutsche wie jüdische Institutionen hatten ihre Schwierigkeiten im Umgang mit einer dafür angemessenen Ehrung, sowohl mit dem Text wie mit dem genauen Standort für diese Tafel. Schließlich entschied man sich, die Gedenktafel am Nebengebäude der Synagoge, dem Centrum Judaicum, anzubringen.
Die Enthüllung der Tafel nahm der damalige Berliner Polizeipräsident Hagen Saberschinsky im Mai 1995 vor.
Nichteingeweite finden die leider schwer lesbare Gedenktafel nur auf besonderen Hinweis, da eine Absperrung zum Schutz der Gebäude das nähere Herantreten an die Tafel erschwert. Deshalb ist hier der Text hier noch einmal extra wiedergegeben:
Der Berliner Polizeibeamte
Wilhelm Krützfeld
(1880 – 1953)
bewahrte
in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938
durch mutiges und entschlossenes Eingreifen
diese Synagoge vor Zerstörung
Der Polizeipräsident in Berlin


4. Gedenktafel für Mathilde Jacob - der Vertrauten von Rosa Lusemburg

Platzbenennung vor dem Rathaus Tiergarten

Platz vor dem Rathaus Tiergarten

Heinz Knobloch hat In seiner einfühlsamen Studie Mathilde Jacob, der Sekretärin Rosa Luxemburgs, unter dem Titel “Meine liebste Mathilde” (Buchverlag Der Morgen. Berlin 1985) ein Denkmal gesetzt, indem er den Namen und die besondere Bedeutung dieser Frau ins Licht der Öffentlichkeit geholt hat. Sie war eine enge Vertraute von Rosa Luxemburg, die sie z.B. während ihrer Haftzeit intensiv unterstützte – auch durch Ein- und Ausschmuggeln von Texten aus der Zelle. Nach Luxemburgs frühem Tod (Ermordung am Landwehrkanal im Januar 1919) war es Mathilde Jacob, die wesentlich zur Rettung ihres Nachlasses betrug, der durch Freunde teilweise in die USA gelangte. Knobloch stellte dazu schriftliche Nachforschungen bei Überledenden an, die Anlass zu weiteren Studien über sie und Rosa Luxemburg waren. Knobloch Buch erlebte mehrere (Neu-)Auflagen, auch als Taschenbuch (Fischer Verlag Frankfurt 1997).

Die Anbringung einer Gedenktafel wurde vom Verein Aktives Museum (August 1996), die Platzumbenennung auch durch den damaligen Bürgermeisters von Tiergarten, Jens Jensen, vorangetrieben. Bei der Einweihung des Platzes im Januar 1997 betonte Jensen, dass es wichtig sei, “dort zu gedenken, wo einzelne gewirkt haben. Mathilde Jacob lebte jahrzehntelang in Tiergarten”, Rosa Luxemberg ebenfalls für kurze Zeit. Die damalige, gegen konservative Widerstände durchgesetzte, Platzbenennung vor dem Rathaus Tiergarten fand großes öffentliches Interesse. Heinz Knobloch nahm ebenfalls teil und las am Abend des Tages im Saal der Bezirksverordneten-Versammlung (Berliner Morgenpost v. 27.1.1997).


5. Gedenktafel für Lina Morgenstern - Einrichterin der ersten Volksküchen

Heinz Knobloch initiierte auch diese Tafel in der Linienstr. 47 im ehem. sog. Scheunenviertel, nachdem er auf diese wohltätige, aber auch sehr kämpferische Frau 1980 erstmals in seiner Rubrik “Mit beiden Augen” in der Wochenpost zu ihrem 150. Geburtstag hingewiesen hatte (Nr. 47/1980). Der Text “Die Suppenlina”, so ihr volkstümlicher Name, wurde mehrfach wieder veröffentlcht, zuletzt in “Alte und neue Berliner Grabsteine” (Jaron Verlag 2000, S. 234-236).
Lina Morgenstern gilt als Begründerin der Volksküchen in Berlin und leitete die Deutsche Hausfrauen-Zeitung ab 1874 dreißig Jahre lag. Ihr “Illustriertes Universal-Kochbuch für Gesunde und Kranke” war ein “ausführliches Lehrbuch für Kochschulen und zum Selbstunterricht”, das auch international hohe Anerkennung fand (8. Aufl. 1906 mit 14 abgebildeten Medaillen auf dem Einband).
1997 widmete ihr Heinz Knobloch das Buch “Die Suppenlina – Wiederbelebung einer Menschenfreundin” (Edition Hentrich 1997), in dem er weitere historisch bedeutsame Details über ihr Wirken als Repräsentatin “der ersten Generation der deutschen Frauenbewegung” (Helene Lange, zit. auf S. 201) wiedergibt.
Erneut mahnt er an, das nach ihr weder eine Straße oder ein Platz in Berlin benannt sei. Immerhin trägt seit 1996 in Kreuzberg eine Oberschule, jetzt Sekundarschule, ihren Namen (S. 204) und inzwischen gibt es auch mehrere Gedenktafeln im Stadtgebiet.
Hier noch einmal der obige Text der Tafel in der Linienstraße:
“In diesem Haus eröffnete 1868 der Volksküchenverein, gegründet von Lina Morgenstern, genannt die Suppenlina, (25.11.1830- 16.12.1909) eine Volksküche. In dem Bestreben, die große soziale Not zu lindern, aber keine Almosen zu verteilen, wurden erstmalig nahrhafte Speisen zum Selbstkostenpreis abgegeben. Lina Morgenstern wirkte als Publizistin, als Mitbegründerin des ersten Arbeiterinnen-Bildungsvereins und der ersten Krankenkasse für Arbeiterinnen sowie als Vorstandsmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft.”
Die Tafel wurde am 16. Dezember 1997, dem 88. Todestag von Lina Morgenstern, durch Bezirksbürgermeister Joachim Zeller und Heinz Knobloch enthüllt (Landespressedienst vom 9.12.1997, S. 4), der dort eine kurze Rede hielt. In einem Interview der Berliner Morgenpost vom 15.8.2000 erwähnte Volker Hobrack, Vorsitzender der Gedenktafelkommission von Mitte, dass Heinz Knobloch die Gedenkplatte selbst bezahlt habe.


6. Gedenktafel für die französischen Opfer des 2. Weltkrieges

Gedenktafel und Standortfoto in Berlin-Frohnau,Schließfließer Str. 13-19

Diese Tafel befindet sich am Eingang des heutigen Poloplatzes an Schönfließer Str. 13-19 im Bezirk Reinickendorf. Sie ist in die linke Eingangsmauer zum Gelände eingelassen. Auf dem Gelände befand sich von 1946-1952 ein Friedhof der Französischen Alliierten, der als zentraler Gedenkort für tausende französischer Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter des 2. Weltkrieges auf deutschem Boden angelegt wurde. Zu ihnen gehörten auch 34 KZ-Häftlinge, die am Ende mehrtägiger Todesmärsche in einer Scheune bei Gardelegen in Sachsen-Anhalt bestialisch bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Sie wurden 1948 nach Berlin-Frohnau umgebettet.
Heinz Knobloch wurde aus Anlass des 50. Jahrestages der unmenschlichen Tat im Jahr 1995 von einem Mitarbeiter des Stadtmuseums Gardelegen wegen des heutigen Zustandes im Bereich dieses Friedhofs angeschrieben und später noch genauer über die Namen der Opfer und ihre Überführung nach Berlin informiert.
Knobloch war 1944 als 18jähriger in der Normadie in den Krieg geschickt worden. Er desertierte dort und war bis 1948 in amerikanischer und britischer Gefangenschaft, bevor er nach Berlin zurückkehren konnte. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Biografie beriet er sich über das genannte Schreiben mit seinem Freund Peter Hüne und sie kamen schließlich zu dem Entschluss, sich bei den zuständigen Stellen nachträglich für die Anbringung einer Gedenktafel im früheren Eingangsbereich dieses Friedhofes einzusetzen.
Die Bemühungen hatten schließlich Erfolg und die Enthüllung der Bronzetafel an der ehemaligen Friedhofsmauer neben dem Eingang zum Sportplatz (Schönfließer Straße Ecke Senheimer Straße) fand in Anwesenheit von Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura und einer gößeren Zahl offizieller Vertreter am 14.7.1997 statt (LPD-Berlin v. 10.7.1997, S. 3).

Wie schon bei der Einweihung der ersten der hier präsentierten sechs Tafeln -1980 am Bebelplatz zu DDR-Zeiten – wurde auch im Westteil der Stadt in Berlin-Reinickendorf nicht daran gedacht, die Initiatoren zur Einweihung der Tafel einzuladen. So ist es auch ein Akt der Fairness, den Hinweis auf ihr Engagement auf dieser Website nachzuholen.


Weitere Gedenktafeln mit Heinz Knoblochs Beteiligung

Zusätzliche Hinweise auf Ehrungen und Erinnerungen an historisch bedeutsame Ereignisse und Personen, sind in Heinz Knoblochs Büchern und Feuilletons zahlreich zu finden. Hier noch drei weitere Beispiele:

  1. Heinz Knobloch hat dafür gesorgt, dass das Relief vom Grabstein seines feuilletonischen Vorbildes Victor Auburtin (1870-1928) nach Ablauf der Grabpflege 1977 in Garmisch-Patenkirchen vor der Zerstörung gerettet und ihm in die DDR gesandt wurde. Das Original befindet sich heute im Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg, wo Auburtin (in der Vorgängerschule) seine Reifeprüfung abgelegt hatte.
  2. Die abgelaufene Grabstelle des in Unehre gefallenen Sozialisten Paul Levi (1883-1930) auf dem Stahnsdorfer Friedhof kaufte Heinz Knobloch noch zu DDR-Zeiten auf, um deren Einebnung zu verhindern. Später wurde sie zu einem Berliner Ehrengrab.
  3. Ebenso hat er sich schon in den 80er Jahren für die Ehrung der Parlamentäre des Januaraufstandes 1919 im Berliner Zeitungsviertel eingesetzt. Aus dem besetzten “Vorwärts”-Verlagsgebäude in der Lindenstraße waren diese mit weißen Fahnen zu Verhandlungen mit den an der Belagerung beteiligten Miiltärkräften zur Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg (dem heutigen Finanzamt am Mehringdamm) geschickt worden. Sie wurden dort aber sofort gefangen genommen und im Hof der Kaserne auf bestialische Weise ermordet. Eine Gedenktafel für diese in der Mehrzahl als Arbeiter tätigen Männer, die Knobloch geehrt sehen wollte, konnte wegen parteipolitischer Querelen in Kreuzberg aber erst mehr als 15 Jahre später im Finanzamt angebracht werden. Da war die Zuständigkeit dafür vom Bezirk Kreuberg an das Deutsche Historische Museum übergegangen.


Gedenken am Heinz Knobloch (wird noch ergänzt)

An Heinz Knobloch wird derzeit bisher an drei Orten öffentlich sichtbar erinnert:

1. Grabstein in Dresden auf dem Tolkewitzer Friedhof
2. Gedenkstein am Heinz-Knobloch-Platz in Berlin-Pankow
3. Berliner Gedenktafel an seiner ehem. Wohnung in der Masurenstraße

Zum Nachlass des Schriftstellers

Der Nachlass von Heinz Knobloch befindet sich überwiegend in der Staatsbibliothek in Berlin in der Handschriftenabteilung unter Nachlässe und Autographen.
Er wird unter der Nr. 353 geführt und besteht einerseits aus Materialien zu seinem Werk, die er bereits Ende der 80er Jahre an die Staatsbibliothek Unter den Linden abgegeben hatte und andererseits aus den nach seinem Tode in den Jahren 2004-2006 an die Handschriftenabteilung übergebenen Manuskripten, Briefen und sonstigen Unterlagen.
Der Nachlass ist über das Datenbanksystem Kalliope auffindbar: Heinz Knobloch.
Zum älteren Nachlassteil ist im Lesesaal der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek eine Kartei und ein Findbuch einsehbar, der Hauptteil des Nachlasses ist nur vorsortiert.